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 Sie haben die Wahl!
Therapieziel: Langes Leben

Medical Tribune Bericht
Ein langes Leben bei guter Gesundheit wünscht sich wohl jeder. "Sie müssen abnehmen!" Oder mit Rauchen aufhören oder Sport treiben oder sich operieren lassen oder die Medikamente regelmäßig einnehmen… Müssen Sie wirklich? Nein. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie tun möchten, was medizinisch gut für Sie ist.

Wissenschaftler wissen meistens, was für Kranke gut ist - aber trotzdem ist das mit der Therapie oft gar nicht so einfach. "Die wissenschaftliche Therapie endet an der Lippe des Patienten, der die Pille nicht isst", stellte Professor Siebolds aus Köln einmal fest.

Die Lösung eines gesundheitlichen Problems ist nämlich nur möglich, wenn der Arzt bei seiner Entscheidung für eine Therapie berücksichtigt, welcher Stellenwert dem Problem eigentlich gerade eingeräumt wird: Wenn gerade eine Scheidung im Gange ist, will der Patient bestimmt nichts hören von gesunder Lebensweise. Steht die Hochzeit des Enkels ins Haus, will er nicht ins Krankenhaus zur Hüftoperation. Und hat eine Behandlung Nebenwirkungen, wird sie nicht konsequent umgesetzt. Abnehmen, mehr Bewegung und Verzicht auf Rauchen und Alkohol mögen notwendig im Sinne der ärztlichen Behandlung erscheinen - demgegenüber stehen auf Patientenseite Lebensgewohnheiten, die eigene Vorstellung von Genuss und Lebensfreude sowie Lebenserfahrungen und Ängste.

Das heißt also: Die aktuellen Ziele eines Menschen sind oft nicht mit den Behandlungszielen aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht identisch. So ergeben sich klassische Widersprüche. In diesem Ringen um das richtige Tun siegt im Zweifel immer der Patient - die Chance des Arztes liegt nur darin, einen Konsens mit seinem Gegenüber zu finden.

Natürlich kann der Arzt im Gespräch mit dem Patienten versuchen, dessen "Problem-Hitliste" zu beeinflussen, indem er ihm die Dringlichkeit der Therapie für sein Leben verdeutlicht. Dann könnte er versuchen, mit dem Patienten eine Art Abmachung über die angestrebten Ziele und das geplante Vorgehen zu treffen.

Möchten Sie Verbote oder Empfehlungen?

In langjährigen Beziehungen zwischen Patienten und Hausarzt hat sich meist auch schon die jeweils richtige Verfahrensweise eingespielt: Braucht der Patient eher Anweisungen und Verbote oder eher Beratungen, Empfehlungen, Denkanstöße und wissenschaftliche Grundlagen für eine eigene Entscheidung? Wie weit sich letztlich an die Abmachungen gehalten wird, ist auch vom Vertrauensverhältnis auf beiden Seiten abhängig.

 

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MTPub, Ausgabe 02 / 2007 S.10, Dr. Diethard Sturm
 

 

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